Die Generation XXL ist ein Begriff aus der Jugendsoziologie und bezeichnet die ab der Mitte der 1980er Jahre und später geborene Generation,
da rund 10 Prozent dieser Generation als adipositas, das heißt als krankhaft übergewichtig, gilt.
Aufgrund der Kombination von falscher Ernährung (Kartoffelchips) und zu viel Medienkonsum
(Mikrochips) wird diese Generation dicker Kinder und Jugendliche nach Meinung von Experten
kränker sein als die früheren Generationen und früher sterben als ihre Eltern.
Der Begriff Generation Chips wurde von den Adipositas-Experten Edmund Fröhlich und Susanne Finsterer geprägt.
Beide Experten befürchten, dass aus den heutigen dicken Kindern ohne Problembehandlung
in den meisten Fällen dicke Erwachsene werden. Die Betroffenen erkranken früher an den Gelenken
(aufgrund der schweren Last), belasten den Kreislauf durch mangelnde Bewegung,
haben oft “Alterszucker” und leiden unter sozialer Ausgrenzung,
die kontinuierlich in die für das Gesundheitssystem sehr kostspieligen psychosomatischen
Erkrankungen überleitet. Zudem haben sie eher Schwierigkeiten beim Lernen und angesichts
des unattraktiven Äußeren schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Insgesamt ergibt sich
für diese Generation damit eine problematische demografische Prognose.
Die “Generation Chips” wird aufgrund der starken Zunahme übergewichtiger und “Übergroßer” Kinder und Jugendlicher gelegentlich auch als “Generation XXL” bezeichnet.
“XXL” umschreibt dabei jedoch lediglich den Äußeren Zustand, in Anlehnung an Kleidungsgrößen.
Dagegen bezieht sich der Begriff “Generation Chips” auf die komplexen Ursachen,
nämlich mangelnde Bewegung sowie einseitige und zu kalorienreiche Ernährung.
Nach Einschätzung der deutschen Adipositasgesellschaft sollten bereits heute ein Drittel
der erwachsenen Bundesbürger aus medizinischen Gründen abnehmen,
weil sie deutlich Übergewichtig sind. Schon heute werden nach Zahlen der deutschen
Adipositasgesellschaft knapp 5 Prozent aller Gesundheitsausgaben für die Behandlung der
Adipositas und ihrer Folgen aufgewendet. Es ist davon auzugehen,
dass sich dieser Anteil zukünftig deutlich erhöht,
wenn die heutige “Generation XXL” im Erwachsenenalter stehen wird.
| GENERATION CHIPS |
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| Magersüchtige und Models verdrängen die Aufmerksamkeit für fettsüchtige Kinder - Demographische Zeitbombe tickt Gesellschaftspolitisch und zunehmend auch Die in den 60er und 70er Jahren Geborenen werden von manchen als Generation X Anfang 2005 war ein Artikel in der Zeit mit Generation Praktikum Die jüngste Generation wird gelegentlich als XXL-Generation bezeichnet aufgrund Die “Generation Chips” ist die Generation, die kränker sein wird als die früheren Nach Einschätzung der deutschen Adipositasgesellschaft sollten bereits heute ein Die Betroffenen – es handelt sich um die Altersgruppe der Mitte der 80er Die öffentliche Diskussion um magersüchtige Models verdrängt die notwendige Wir müssen ein Bewusstsein für diese Kinder und Jugendlichen schaffen, |
Lernen braucht Bewegung
Schulen und Sportvereine wollen stärker kooperieren
Herford “Wir Lehrer tun immer so, als kämen jeden Tag nur Köpfe in die Schule. Aber es kommt jeden Tag das ganze Kind”, sagte Schulrätin Ursula Niemeier. Was sich nach ganzheitlichem Lernen anhört, ist eher ein Plädoyer, Bewegung nicht nur als Ausgleich in den Sportstunden zu begreifen.
Während einer Fachtagung am 29. Januar soll das Thema diskutiert werden. Es ist die erste Regionalkonferenz dieser Art, die dann im Kreishaus stattfinden wird.
Eingeladen sind Vertreter aller 52 Grundschulen des Kreises, Kooperationspartner wie die Volkshochschulen sowie Vertreter der 300 Sportvereine. “Eigentlich ist die Sache ganz einfach”, erklärt Landrätin Lieselore Curländer. “Jeder weiß, dass Bewegung den Kindern nicht nur körperlich gut tut. Wir wollen Schulen und Vereinen ein Forum bieten, sich kennen zu lernen.”
Dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper steckt, wissen nicht nur die Lateiner. Doch die Notwendigkeit, Bewegungsmöglichkeiten auch in den Mathematikunterricht zu integrieren, müsse auf eine breitere Basis gestellt werden, sagte Niemeier. “Wenn ein Kind nicht vorwärts und rückwärts springen kann, wird es auch Schwierigkeiten beim Addieren und Subtrahieren haben….”
Die „Generation XXL“ soll abspecken
Paderborner Wissenschaftler heben Projekt gegen Übergewicht im Kindesalter aus der Taufe
Paderborn. Deutschlands Kinder werden immer dicker. Inzwischen gelten 15 bis 18 Prozent aller Heranwachsenden als übergewichtig, davon sind fünf Prozent fettleibig (adipös). Die Gründe dafür sind vielfältig, die Folgen katastrophal: Erkrankungen wie der sogenannte „Typ 2-Diabetes“, – früher eine Alterskrankheit – Bluthochdruck, Kreislauf- und Skeletterkrankungen sind auf dem Vormarsch. Grund für zwei Paderborner Professoren, ihre Kompetenzen zu vernetzen und gegen die Fettsucht zu Felde zu ziehen.
Das Projekt PAPI (Paderborner Adipositas-Prävention und Intervention) ist in diesen Tagen im Kreis Paderborn an den Start gegangen. Der Sportwissenschaftler Wolf-Dietrich Brettschneider und der Ernährungswissenschaftler Helmut Heseker sind die Väter von PAPI. Sie lieferten zunächst das Datenmaterial, das die rasante Zuspitzung des Problems belegt. Ungewöhnlich ist hingegen, dass Forscher ihre Erkenntnisse auch gleich in ein Projekt investieren, um dem Problem im Wortsinn zu Leibe zu rücken.
Mit einem zehnköpfigen Team aus Ernährungswissenschaftlern, Sportwissenschaftlern, Pädagogen und einer Ärztin suchen sie den Kontakt mit jenen Berufsgruppen, die direkt mit übergewichtigen Familien und Kindern zusammen treffen. So soll Prävention konsequenterweise schon auf den Entbindungsstationen beginnen: „Dort, wo Frauen auf Hebammen treffen, zu denen sie Vertrauen haben, können schon die ersten Grundregeln zur Versorgung des Nachwuchses vermittelt werden“, sagt Heseker.
Kindergärten, Schulen und Sportvereine sind weitere Multiplikatoren, die den Zugang zu Menschen mit problematischem Ernährungs-, Bewegungs- und meist auch Mediennutzungsverhalten erleichtern sollen. Frühes Gegensteuern ist wichtig: Aus dicken Kindern werden oft dicke Erwachsene.
Im Regelfall sei es eben nicht der „Fluch der Gene“, wenn sich Schwimmringe bilden. Die oft gesuchte Erklärung, der Hang zum Dickwerden liege nun mal in der Familie, verweisen Brettschneider und Heseker ins Reich der Mythen. Zwar sei der Körper evolutionsbedingt darauf eingestellt, Fettpolster „für schlechte Zeiten“ zu bilden – aber das gilt für alle Menschen gleichermaßen. Früher war das nützlich.
Heute wirke sich dieser über 10.000 Jahre quasi unveränderte Genpool allerdings bei vielen Menschen negativ aus: „In einer Überflussgesellschaft mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten ist die Speicherfähigkeit des Organismus nicht mehr sinnvoll“, sagt Brettschneider. Ein Zusammenspiel von kalorienreicher Nahrung und wenig Bewegung tut das Übrige. Mit einem Vorurteil räumt der Sportwissenschaftler allerdings auf: Es sei nicht so, wie häufig vermutet, dass Kinder und Jugendliche immer weniger Sport treiben: „Im Gegenteil – die Mitgliedschaften in den Sportvereinen stagnieren seit Jahren auf hohem Niveau. Was zurückgeht, ist die alltägliche Bewegung“, schildert Wolf-Dietrich Brettschneider.
Kinder werden zur Schule und zu Freunden gefahren, können in dicht bebauten Wohngebieten kaum noch auf den Straßen spielen und sitzen zu lange vor Computer- und Fernsehschirmen. Ausgerüstet oft mit dem passenden fettreichen Knabberzeug. Da helfen auch zwei, drei Stunden Schulsport pro Woche nicht, von denen ohnehin viel zu viele ausfallen.
Ein weiterer Zusammenhang alarmiert vor allem Sozialpolitiker: Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen ist auch ein soziales Problem. So kämen dicke Kinder und auch Erwachsene überproportional aus sogenannten „bildungsfernen“ Schichten. „Geringe Kenntnisse über gesunde Ernährung, hoher Fernsehkonsum anstelle des Familiengesprächs und wenig Bewegung bilden einen Teufelskreis“, so Heseker. Die Spirale dreht sich weiter: Dicksein führt häufig zu sozialer Ausgrenzung, die wiederum die Motivation abzunehmen weiter verringert.
„Wir müssen von der Stigmatisierung Übergewichtiger wegkommen“, fordert Helmut Heseker. Das zentrale Problem seien die Eltern, die zu wenig über die Gesundheitsrisiken wissen. Heseker wünscht sich, dass mehr Ärzte, Erzieher und Lehrer den Mut finden, das Problem offen anzusprechen. „Hierzulande fürchtet man sich, dass die Leute dann nicht wiederkommen.“ In die Schranken gewiesen werden müssten auch Nahrungsmittelkonzerne, die mit falschen Gesundheitsversprechen Leute ködern. Kinderlebensmittel etwa – aggressiv beworben – sind meist nur süß und unnötig.
„In der Prävention hat man zu lange auf falsche Kampagnen gesetzt“, kritisiert Brettschneider. Das Horrorszenario, was aus einem dicken Kind werden könne, zieht gerade bei einfach strukturierten Familien nicht. „In Zeiten, in denen immer mehr Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr gewachsen sind, muss in Bildung investiert werden. Konkret: „Kinder muss man emotional packen.“ Mit gesunden Wochen im Kindergarten, Ernährung und Bewegung in den Lehrplänen und flächendeckender Elterninformation sei schon viel gewonnen.
„Wichtig ist aber auch, dass die Politik begreift, dass Bildungschancen für alle auch das Gesundheitsverhalten beeinflussen – und letztlich der Gesellschaft sogar Kosten sparen“, so Brettschneider.
Altersdiabetes mit sieben Jahren
Fettleibige Kinder haben bereits im Alter von sieben Jahren erhöhten Blutdruck und zeigen erste Anzeichen von Altersdiabetes. Wissenschaftler fanden bei italienischen Kindern sogar verdickte Adern, die sonst nur bei Senioren auftreten.
Bei der Untersuchung von italienischen Kindern zwischen 6 und 14 Jahren entdeckte ein internationales Ärzteteam sowohl beginnende Gefäßverhärtungen als auch eine gesteigerte Insulinresistenz – ein typisches Frühzeichen für beginnenden Altersdiabetes.
Die Wissenschaftler um Archchangelo Iannuzzi vom Cava-dei Tirreni-Krankenhaus in Salerno bestimmten bei 100 übergewichtigen Kindern Blutdruck, Insulinresistenz und Cholesterinwerte. Ultraschalluntersuchungen lieferten den Wissenschaftlern zusätzlich Einblicke in die Beschaffenheit der Arterien ihrer Probanden. Die ermittelten Werte wurden mit denen normalgewichtiger Kinder verglichen.
Die fettleibigen Kinder zeigten nicht nur stärkere Insulinresistenzen, sondern auch erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte. Der mittlere Blutdruck der übergewichtigen Kinder lag beispielsweise bei 120/76, während der Durchschnitt bei normalgewichtigen Kindern bei 98/65 lag.
Besonders auffällig aus Sicht der Forscher waren die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchungen. Hier stellten sie Verdickungen und Versteifungen der Halsschlagader bei einigen Kindern aus der Gruppe der Übergewichtigen fest.
Untersuchungen an Erwachsenen zeigten, dass solche Verdickungen ein Vorläufer von Gefäßverengungen und damit auch von koronaren Herzkrankheiten und Schlaganfällen sind, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift “Diabetes Care” (Bd. 27, S. 2506). Die frühzeitige Regulierung des Gewichts sei von enormer Bedeutung, um die Risikofaktoren sowohl für spätere Gefäßkrankheiten und deren Folgen als auch für den immer häufiger schon im Kindesalter auftretenden Diabetes vom Typ 2 reduzieren zu können.
Großartig –
Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Kind zu den Eltern aufschaut … und ihnen dann im Lauf der Zeit über den Kopf wächst.
Tatsächlich scheint jede neue Generation die alte in der Körpergröße zu übertrumpfen. Gerade die Größe der Deutschen hat ein Rekordniveau erreicht, obwohl der Zuwachs aktuell gering ist.
Die bekannteste und kontrovers diskutierte These für den Wachstumseffekt über Generationen sucht die Gründe in den ökonomischen Bedingungen. Komlos, Wirtschaftshistoriker an der Ludwig-Maximilians-Universität und Vertreter der Theorie, sieht einen klaren Zusammenhang zwischen durchschnittlichem Körpermaß und Konjunktur:”Je gesünder das Gemeinwesen, umso größer die darin lebenden Menschen. (…) In Krisenzeiten schrumpft der Größendurchschnitt fast immer, in guten wächst er.”
Ein Blick in die Vergangenheit scheint die Annahme zu bestätigen. In Zeiten, in denen schlechte Lebensbedingungen vorherrschten, stagnierte das durchschnittliche Körperwachstum der Bevölkerung oder ging sogar zurück. Die oberen Zehntausend blieben allerdings von diesem Effekt verschohnt, womit die Begriffe “Hochadel” und “High Society” eine neue Bedeutung bekommen.
Vielleicht beeinflusst diese historische Tatsache – Privilegierte sind größer – das heutige Vorurteil, dass größere Menschen umgekehrt auch irgendwie im Vorteil sein müssen. Und wenn man etwas auch fest glaubt, dann geschieht es:
Arbeitgeber zum Beispiel unterstellen größeren Mitarbeitern nachweislich größere Überzeugungskraft, stärkeres Selbstbewusstsein und mehr Erfolg. Dementsprechend bezahlen sie sie auch besser. So bekommen westdeutsche Männer, laut einer Studie (2004), pro zusätzlichem Zentimeter ein um 200 Euro höheres Jahresgehalt. Und kleinere scheitern häufiger bereits beim Einstellungsgespräch: Vor die Wahl gestellt, einen 1,65 Meter oder einen 1,85 Meter messenden Bewerber einzustellen, entschieden sich in einem Experiment in den USA 72 Prozent der Arbeitgeber für den Größeren.
Die Körpergröße spielt eine wichtige Rolle. Gerade beim Entwurf von Arbeitsplätzen, Türen, Telefonzellen ist das Normmaß entscheidend … und hier wenigstens muss der großgewachsene Nordeuropäer dem kleineren Südländer den Vortritt lassen.
Die Deutschen überragen durch ihre Größe
Die Menschheit wächst und wächst – auch in die Höhe: Vor allem die Deutschen haben sich zu einem Volk der Lulatsche ausgewachsen. Allein die Niederländer sind noch größer. Doch viele wollen lieber kleiner bleiben und greifen als Gegenmittel zur riskanten Hormonspritze – der gesundheitliche Preis ist hoch.
Die Deutschen tun sich international hervor – durch überragende Größe. Sie wachsen und wachsen und wachsen. Seit Generationen schon wächst die junge der alten Generation über den Kopf. Die Durchschnittsgröße eines männlichen Deutschen liegt inzwischen bei 178 Zentimetern. Ein Ende des Strebertums nach Höhe und Größe ist noch nicht abzusehen.
Dass die Deutschen sich zu einem Volk der Lulatsche ausgewachsen haben, ist eine Besonderheit der Natur. So ist die durchschnittliche Körpergröße in den Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg beinahe gleich geblieben. Sie sind im Schnitt 2,2 Zentimeter kleiner als die Deutschen. Aber dennoch haben auch die US-Bürger zugelegt – allerdings in der Breite. Immer noch gewinnen sie an Bauch, Hüfte und Gesäß hinzu. In den Niederlanden dagegen zeichnet sich ab, dass die jungen Holländer eines Tages auf die Deutschen herabblicken werden. Sie wachsen deutlich schneller als wir.
Überragende Körpergröße ist in Deutschland eine zwiespältige Sache – schießt ein Junge mächtig ins Kraut, freut das die Eltern mit jedem Zentimeter. Anders bei Mädchen. Eine 14-Jährige ist heute im Schnitt schon größer als eine erwachsene Frau vor vier Jahrzehnten. Trotzdem sind viele Eltern immer noch weit davon entfernt, den Aufwärtstrend der Sprösslinge unbesorgt zu akzeptieren. Bei groß geratenen Mädchen fürchten sie um deren Attraktivität. Ist es noch normal, wenn eine 16-Jährige auf dem Familienfoto auf selber Höhe wie ihr Vater zu sehen ist?
„Meistens sorgen sich nur die Eltern“, heißt es in der Endokrinologie der Berliner Charité, „die Kinder werden damit leichter fertig.“ Das Nebeneinander mit dem Vater mag peinlich sein – für den Vater. Denn im Vergleich mit den übrigen Riesen der aktuellen Schulhof-Generation stimmen die Größenverhältnisse wieder. Mit den Befürchtungen der Eltern beschäftigen sich vor allem die Mediziner in den Endokrinologischen Abteilungen der Kinderkliniken. Sie sehen sich täglich mit dem Wunsch konfrontiert, das Wachsen und Werden zu bremsen oder sogar zu beenden.
Hoher Wuchs ist keine Krankheit
Zwar hat die Medizin hierzu wirksame Verfahren entwickelt – sie laufen alle auf eine hormonelle Behandlung hinaus. Diese Verfahren sind jedoch ethisch umstritten: Ist der Stillstand des Wachstums noch zu rechtfertigen – bei einer Menschheitsentwicklung, die im Großen und Ganzen nur eine Richtung kennt: nach oben? Hinzu kommt der medizinisch-ethische Einwand, dass ein hoher Wuchs keine Krankheit sei. Er müsse deshalb auch nicht behandelt werden. Ohnehin ist eine Hormonbehandlung zur Wachstumshemmung nicht nebenwirkungsfrei. Sie birgt Risiken. Viele Ärzte lehnen deshalb den hormonellen Eingriff ins Wachstum strikt ab. Was ästhetisch und kulturell als Übergröße empfunden wird, ist eine wandelbare Größen-Ordnung. Professor Jürgen Brämsweg, Endokrinologe von der Universitätsklinik Münster, hierzu: „So wie die Deutschen immer größer werden, werden eben auch die Großen immer größer.“
Im vergangenen Jahr erhofften sich mehrere Hundert Eltern, die ihre Kinder als zu groß empfanden, Abhilfe durch ihn. „Die Empfehlung für oder gegen eine Therapie folgt immer dem Einzelfall“, sagt Brämsweg. Eine individuelle Abwägung sei das – mit klarem Hinweis über Wirkungen und Nebenwirkungen der Therapie. Was gegenwärtig als medizinisch zu groß oder zu klein gilt, hat die Arbeitsgemeinschaft pädiatrische Endokrinologie in einer Empfehlung festgelegt: Danach ist eine Behandlung bei Mädchen angebracht, die voraussichtlich einmal 185 Zentimeter erreichen werden, und bei Jungen, deren spätere Größe zwischen 200 bis 210 Zentimetern liegt.
Für die Vorhersage der späteren, ausgewachsenen Größe eines Kindes stellt der behandelnde Arzt das biologische Alter fest – das „Skelettalter“. Wie viel Wachstumspotenzial noch in den Knochen steckt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich – es deckt sich nicht mit dem Lebensalter des Kindes. Erst anhand eines Röntgenbildes – meist vom Handwurzelknochen der linken Hand – lässt sich der Entwicklungsstand bestimmen. Nach dem Abgleich mit einer Erfahrungstabelle kann das künftige Wachstum mit hoher Präzision bestimmt werden. Die Genauigkeit liegt zwischen 70 und 80 Prozent.
Jungen erhalten täglich Testosteron und Mädchen Östrogene
Allerdings sind heute längst nicht alle Risiken der Hormonspritze absehbar. Jungen wird alle 14 Tage Testosteron gespritzt, Mädchen nehmen täglich Östrogene ein – bis zu zwei Jahre lang. Das bohnenstangenartige Wachstum lässt sich so acht bis höchstens zehn Zentimeter mindern – mehr ist auch mit Hormonen nicht drin.
Der Preis dafür ist hoch: „Im Prinzip werden Zehn- bis Zwölfjährige verfrüht und beschleunigt durch die Pubertät gejagt – mit allen Folgen“, sagt Professor Olaf Hiort von der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Lübeck. „Ich rate deshalb von der Therapie meistens ab.“ Die Folgen sind Gewichtszunahme, Übelkeit, Hautpigmente, Akne. Bei Mädchen kommt erhöhter Blutdruck hinzu, meist auch unregelmäßige Menstruationszyklen. Die Jungen müssen mit Aggressivität, vorübergehend verkleinerten Hoden und dem Risiko eines Prostataschadens rechnen. Für manche ist das Thromboserisiko stark erhöht.
In der heutigen Gesellschaft gilt Größe als erstrebenswert. Arbeitgeber beispielsweise unterstellen großen Mitarbeitern eine größere Überzeugungskraft, stärkeres Selbstbewusstsein, mehr Erfolg. Das drückt sich auch im Gehalt aus: In einer Studie von 2004 rechneten Soziologen aus, dass westdeutsche Männer pro Zusatzzentimeter 200 Euro mehr im Jahr verdienen.
Sogar in China mit seiner eher kurz geratenen Bevölkerung hat die Körpergröße einen Stellenwert bekommen, dass es an Wahn grenzt. Bei manchen Berufen, etwa beim Militär, gilt inzwischen eine Mindestgröße. Um da bestehen zu können, unterziehen sich Hunderte Chinesen – Männer wie Frauen – Jahr für Jahr einer fürchterlichen, quälerischen Prozedur: Sie lassen sich die Oberschenkelknochen durchsägen, um sie anschließend auf der Streckbank über Monate hinweg in die Länge ziehen zu lassen. Das bringt zusätzlich bis zu elf Zentimeter.
Trotz unzähliger Kampagnen und duzender sportlicher Angebote wächst hier zu Lande eine Generation von moppeligen Kindern heran. Eine aktuelle Statistik des Robert-Koch-Instituts zeigt das Kinder und Jugendliche bringen einfach zu viel auf die Waage, etwa 15 % sind bereits übergewichtig und die Tendenz steigt. Die Folgen dessen sind dramatisch, denn wenn man mal von den 70 Millionen Euro Kosten im Jahr absieht die durch ernährungsbedingte Krankheiten entstehen, sind die persönlichen Konsequenzen für übergewichtige Kinder natürlich gravierend, denn diese Kinder büßen einiges an Lebensqualität ein.
Sie leiden unter seelischen Problemen und sind weniger akzeptiert als normal gewichtige Kinder.
Dazu kommen die vielfältigen gesundheitlichen Folgen die das Übergewicht mit sich bringt. Krankheiten wie Bluthochdruck, Leberschäden, Diabetes sowie auch Erkrankungen des Bewegungsapparates treffen diese Kinder bereits im Grundschulalter.
Fettsucht sollte möglichst schnell behandelt werden, denn je länger das Übergewicht besteht umso ausgeprägter und früher treten diese Folgeerkrankungen auf.